Sonntagabend. Riccardo sitzt in Radebeul, Benedikt meldet sich nach seinem Gastvortrag an der Universität. Was als lockerer Check-in beginnt, wird zu einem der nachdenklichsten Gespräche dieser Podcast-Staffel: Social Media, Künstliche Intelligenz und die Frage, ob wir überhaupt noch miteinander kommunizieren – oder nur noch mit Algorithmen.
Die Zahlen sind erschreckend: 67% der Weltbevölkerung nutzt Social Media. Das sind 5,45 Milliarden Menschen. 80% dessen, was du in deinem Feed siehst, wird von KI-Algorithmen bestimmt. Und 85% aller Influencer nutzen bereits KI-Tools zur Content-Erstellung.
Tee-OFF ist anders: Weniger Struktur, mehr Flow. Keine fertigen Antworten, dafür die richtigen Fragen. Riccardo und Benedikt nehmen sich Zeit zum Nachdenken – und laden dich ein, mitzudenken.
1. Die unsichtbare Macht: Wie KI-Algorithmen Social Media steuern
67% der Welt ist online – aber wer bestimmt, was du siehst?
5,45 Milliarden Menschen nutzen täglich Social Media. Rechnet man Babys und sehr alte Menschen heraus, bedeutet das: Fast jeder Mensch auf der Welt ist online.
Doch die eigentliche Macht liegt nicht bei den Nutzern – sondern bei den Algorithmen.
Die Fakten:
- 80% deines Feeds werden von KI-Algorithmen kuratiert
- 85% der Influencer nutzen KI zur Content-Erstellung
- 30% aller Unternehmen setzen KI für betriebswirtschaftliche Entscheidungen ein
- 11,9% der Unternehmen nutzen KI täglich im Social Media Workflow
Riccardo bringt es auf den Punkt:
„KI steuert uns. Was du einmal anfängst anzugucken, kriegst du ja auch nur noch vorgelegt.“
Der Filterblase-Effekt: Warum du immer nur siehst, was du sehen willst
Das Problem: Algorithmen wollen, dass du so viel wie möglich konsumierst. Deshalb zeigen sie dir immer mehr vom Gleichen.
Beispiel Instagram: Du redest mit jemandem über Urlaub auf Mauritius – abends bekommst du Werbung dafür angezeigt. Zufall? Nein. Der Algorithmus hört mit.
Die Folge:
- Du siehst nur noch Inhalte, die deine Meinung bestätigen
- Gegenpositionen verschwinden aus deinem Feed
- Meinungen verhärten sich
- Die gesellschaftliche Kluft wird größer
Benedikt warnt:
„Das ist nicht Social Media, das ist der Algorithmus dahinter. Die Technologie hinter Social Media ist gefährlich – sie lässt dich nicht mehr aus deiner Bubble raus.“
2. Deepfakes & Manipulation: Was ist noch echt?
Die Lanz-Kontroverse: Wenn Wahrheit zur Verhandlungssache wird
Ein aktuelles Beispiel aus Deutschland zeigt die Brisanz: In einer Talkshow wird ein Gast gefragt, ob bestimmte Medien verboten werden sollten. Er antwortet mit „Ja“. Eine Woche später bestreitet er die Aussage – obwohl sie in der Mediathek dokumentiert ist.
Moderator Markus Lanz bestätigt sogar die Falschaussage des Gastes.
Riccardo ist fassungslos:
„Der sitzt dort und fragt jemanden, ob er der Meinung ist, dass solche Medien verboten werden müssen. Er antwortet mit Ja. Und eine Woche später stellt er ihn als Lügnerin hin – obwohl man in der Mediathek nachgucken kann.“
Deepfakes: Die neue Realität
Sascha Lobo produzierte ein absichtlich absurdes Deepfake-Video von Markus Lanz, um die Gefahr zu demonstrieren. Das Video war technisch perfekt – aber inhaltlich offensichtlich Fake.
Das Problem: Was, wenn Deepfakes nicht mehr absurd sind, sondern gezielt Meinungen manipulieren?
Beispiele aus der Folge:
- Rammstein & Till Lindemann: Vorverurteilung durch Medien
- Jörg Kachelmann: Rufmord trotz Freispruch
- Andreas Türk: Karriere zerstört durch unbewiesene Vorwürfe
- Julia Ruhs: Karriere beschädigt durch offene Kritik am Journalismus
Benedikt:
„Mit so einem Anfangsverdacht, den kriegst du nie wieder weg.“
3. Clickbait statt Recherche: Wo hören Nachrichten auf?
Zeitungskonsortien und zentrale Nachrichtensteuerung
Riccardo berichtet von einem Anwalt, der Medienvertreter verklagt. Seine Erkenntnis: Viele Schlagzeilen werden veröffentlicht, ohne vorher ausreichend recherchiert zu haben.
Das Problem:
- Zeitungskonsortien werden immer größer
- Nachrichten werden zentral gesteuert
- Nur noch wenig regionale Eigenständigkeit
- Ein Kanal versorgt viele Medien – deshalb ähnliche Berichterstattung
Beispiel Chefredakteur (Zeitung): Ein Chefredakteur berichtet: „Ich wusste gar nicht mehr, wie ich agieren soll. Die Meldungen kamen so schnell. Wir haben nur einmal pro Woche eine Auflage. Wenn ich nicht veröffentliche, ist das Thema eine Woche später schon durch.“
Der Druck: Schnelligkeit schlägt Qualität.
Ist ARD noch vertrauenswürdig?
Benedikt:
„Wenn ich mir ARD Tagesthemen angucke, dann gehe ich davon aus, dass das wahr ist.“
Riccardo hakt nach:
„Ist das so?“
Eine berechtigte Frage. Denn auch klassische Medien sind längst Teil des Social Media-Ökosystems:
- ARD Mediathek hat TikTok-Shorts
- Lanz-Ausschnitte werden viral geteilt
- Auch hier: Algorithmen entscheiden, was gesehen wird
Die Grenze verschwimmt: Wo hören Nachrichten auf, wo fängt Social Media an?
4. Die Informationsflut: Ein Tag heute = ein Bauern-Leben 1850
Permanente Beschallung
Benedikt zitiert eine erschreckende Statistik:
„Die heutige tägliche Informationsbeschallung ist genauso stark wie für einen Bauern im 19. Jahrhundert fürs ganze Leben.“
Der typische Tagesablauf:
- Aufstehen → Handy checken
- Podcast beim Frühstück
- News-App auf dem Weg zur Arbeit
- LinkedIn/Instagram in der Mittagspause
- YouTube/Netflix am Abend
- Social Media vor dem Schlafengehen
Pause? Fehlanzeige.
Generated Engine Optimization (GEO)
Selbst Suchmaschinen und KI-Tools wie ChatGPT sind manipuliert:
- AdWords beeinflussen Such-Ergebnisse
- SEO optimiert für Klicks, nicht für Wahrheit
- GEO (Generated Engine Optimization) beeinflusst KI-Antworten
Benedikt:
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch bei ChatGPT schon Algorithmen für dein persönliches Profil bereitstehen und gucken: Das hat diesmal gut geklappt, das hat er angenommen, das hat er kopiert.“
5. Kommunikation im KI-Zeitalter: Reden wir noch miteinander?
WhatsApp, Telegram, Instagram – aber wo ist der Mensch?
Riccardo stellt die entscheidende Frage:
„Wie kommunizieren wir heute miteinander? WhatsApp, Telegram, Instagram, Threads… Welche Priorisierung machst du?“
Das Problem:
- Wenn du mit deiner Partnerin am Tisch sitzt, hörst du zu
- Wenn du in der Kneipe stehst, redest du nicht plötzlich mit anderen
- Aber digital? Wir tippen mit 10 Leuten gleichzeitig
Die Frage: Ist das noch echte Kommunikation?
KI schreibt deine E-Mails: Sprichst du noch selbst?
Microsoft Copilot, ChatGPT, Gmail Smart Compose – überall schreibt KI mit (oder für uns).
Riccardo:
„Wie weit sind wir denn weg, dass ich überhaupt nicht mehr weiß, mit wem ich rede? Meine Partnerin ist zu Hause, ich bin beruflich unterwegs. Bespreche ich überhaupt noch mit Menschen?“
Benedikt kontert:
„Ist die Kommunikation für dich nicht mehr menschlich, wenn du nicht drüber liest? Oder muss man selber formulieren?“
Die Antwort bleibt offen – aber die Frage ist gestellt.
6. Was können wir tun? Praktische Ansätze gegen Algorithmus-Manipulation
Tipp 1: Den Algorithmus brechen
Benedikt empfiehlt:
„Ich denke immer, ich bin besonders schlau, wenn ich mein YouTube manchmal schocke, indem ich was komplett anderes eingebe. Wenn du lange Football gesehen hast, dann gibst du Eiskunstläufer ein.“
So funktioniert’s:
- Bewusst nach Gegenpositionen suchen
- Verschiedene Nachrichtenquellen nutzen (Arte, Spiegel, lokale Zeitungen)
- Nicht nur in einer App bleiben
- Regelmäßig neue Themen erkunden
Tipp 2: Echte Gespräche führen
Riccardo’s Birdie der Woche: Ein Badewannen-Gespräch mit einem Freund.
„Solche Gespräche müssen wir führen können. Ehrlich, offen, freundschaftlich.“
Die Aufforderung:
- Telefon statt WhatsApp
- Treffen statt Videocall
- Zuhören statt Tippen
- Familie und Freunde priorisieren
Tipp 3: Qualität statt Quantität
Riccardo:
„Es ist nicht wichtig, ob du 1.000.000 Follower hast. Eine Handvoll gute Freunde, die Tag und Nacht für dich da sind – das ist es.“
Tipp 4: Medienkompetenz entwickeln
Fragen, die du dir stellen solltest:
- Wer hat diesen Artikel geschrieben?
- Welche Quelle steckt dahinter?
- Gibt es andere Perspektiven?
- Ist das Bild/Video echt oder KI-generiert?
- Warum wird mir das gerade angezeigt?
7. Die große Politik: Trump, TikTok und Europa unter Druck
Donald Trump verlängert TikTok – und übernimmt Kontrolle
Benedikt:
„Donald Trump hat die Rechte für TikTok eingefordert, sonst würde er es plattmachen. Jetzt verlängert er die Rechte durchgängig.“
Die Konsequenz: Eine der größten Social Media-Plattformen der Welt steht unter direktem Einfluss der US-Politik.
Zölle, Grönland, Kolonialismus 2.0?
Riccardo’s Bunkerschlag der Woche: Die großpolitische Wetterlage.
„Diese Machtansprüche, einfach ein Land sich einzuheimsen – ich dachte, wir sind über die kolonialen Zeiten hinweg.“
Aktuelle Bedrohungen:
- USA drohen Europa mit Zöllen
- Grönland-Annexionspläne
- Geopolitische Spannungen steigen
Riccardo:
„Das bewegt mich sehr. Das macht mir wirklich Kopfzerbrechen.“
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