Staffel 2 Folge 7 von Tee-OFF ist eine Premiere: Zum ersten Mal steht Riccardo Sachse allein an der Seite von Benedikt Hirschfelder – Ricardo Sachse erholt sich noch von einer hartnäckigen Erkältung. Was wie ein kleiner Ausfall beginnt, entwickelt sich zu einer der vielseitigsten Folgen der jungen Podcast-Geschichte: von Luxusuhren bis Lazarett, von Stadtwerke-Software bis Statussymbol.
Benedikt kommt direkt von der E-World in Essen, eine der größten Messen für kritische Infrastruktur in Europa. Im Gepäck: ein erfolgreicher Produktlaunch und jede Menge Gesprächsstoff über das, was Europa in Zeiten geopolitischer Spannungen wirklich schützen muss – nicht nur Pipelines, sondern auch Daten.
1. Digitale Souveränität: Wenn europäische Infrastruktur auf amerikanische Software trifft
Benedikt hat auf der E-World sein Produkt ‚VersorgERPro‘ von acessa vorgestellt – eine SAP-basierte ERP-Lösung speziell für kleine und mittelständische Stadtwerke. Der Knackpunkt: Bisher war SAP für kleinere Versorger schlicht zu teuer. Das neue Modell macht es erstmals zugänglich. Das Feedback auf der Messe: überwältigend.
„Die häufigste Frage auf der Messe war: ‚Geht das wirklich?‘ Und ja – es geht. Und jetzt fängt erst der große Kampf an.“ — Benedikt Hirschfelder
Doch der eigentliche Zündstoff liegt tiefer: Auf der Messe war ein Thema allgegenwärtig – die Abhängigkeit von amerikanischer Software in der kritischen Infrastruktur. Microsoft, Teams, Cloud-Lösungen aus den USA: Wie verlässlich sind diese Produkte, wenn politische Rahmenbedingungen unter Trump-Administrationen schwanken?
Riccardo bringt die Perspektive der IT-Praxis: „Microsoft hat sich auch schon gegen die eigene Regierung gestellt. Aber eine Millionen Zeilen Quellcode – und irgendwo darin kann ein einziger Schalter sitzen, der alles ausschaltet. Das dürfen wir nicht unterschätzen.“
Ein Spagat zwischen globaler Zusammenarbeit und europäischer Souveränität – und eine Einladung, SAP als deutschen Champion stärker zu unterstützen.
2. Smartwatch vs. klassische Armbanduhr – mehr als eine Geschmacksfrage
Ein LinkedIn-Post über die Bedeutung von Uhren als Statussymbol war der Auslöser für das Herzstück dieser Folge. Und Riccardo hat eine klare Meinung: Sie trägt keine Smartwatch – weder am linken noch am rechten Handgelenk. Ihre Überzeugung: Eine mechanische Armbanduhr ist kein Gadget, sondern Kunst.
Die Folge unterscheidet drei Kaufentscheidungen:
- Option A – Die eine Luxusuhr (z.B. Rolex Explorer): Ein Statement. Zeitlos, wertstabil, gesellschaftlich codiert.
- Option B – Klassische Uhren-Sammlung: 5 Uhren vom Preis einer Einstiegs-Rolex – von deutschen Manufakturen oder Schweizer Qualitätsmarken.
- Option C – Fake/Dupe: Was steckt dahinter? Und warum ist das keine gute Idee?
„Eine mechanische Uhr ist wie ein Gemälde – du fährst ja auch nicht damit durch die Gegend.“ — Riccardo Sachse
Benedikt ergänzt eine überraschende Dimension: Uhren als Motivator. Wer sich eine Uhr erarbeitet hat, trägt morgens mehr als Metall – er trägt eine Erinnerung an seinen eigenen Erfolg. „Das hört sich schräg an. Aber es funktioniert.“
Und dann wären da noch die Daten: Welche Gesundheitsinformationen erfasst eine Smartwatch? Wo gehen die hin? Gerade im Kontext der Datensouveränität eine ernstzunehmende Frage.
3. Gesundheitssystem am Limit: Die Apotheke als neue Hausarztpraxis
Riccardo hatte Grippe – und rief beim Arzt an. Die Antwort der Praxis: Geh in die Apotheke, die können das genauso gut. Was klingt wie ein Serviceproblem, ist ein Systemsignal.
Benedikt versteht den pragmatischen Aspekt: Für eine normale Erkältung reicht ein strukturierter Medikamentenplan. Und seine 95-jährige Oma hat bewiesen, dass man nicht bei jedem Schnupfen zusammenbricht. Aber Riccardo stellt die tiefere Frage: Sollen Menschen künftig KI-gestützte Smartwatch-Diagnosen selbst interpretieren? Und was bedeutet das für vulnerable Gruppen – alte Menschen, Kinder, Schwerkranke?
„Die 94-jährige Tante ist quer durch die Stadt zum neuen Zahnarzt. Nicht wegen der Behandlung – sondern weil der sich Zeit nimmt.“ — Riccardo Sachse
Der Podcast trifft damit einen Nerv: Was wir im Krankenhaus kritisieren – keine Zeit für Menschen – findet sich nun auch in der Hausarzt-Versorgung wieder.
Fazit: Wert und Werte
Folge 5 von Tee-OFF verbindet das Persönliche mit dem Politischen. Was eine Uhr über uns verrät, sagt vielleicht mehr über unsere Gesellschaft aus als jede Studie. Wer Wert auf Qualität, Herkunft und Nachhaltigkeit legt – ob beim Kauf einer Uhr oder beim Schutz von Infrastruktur – entscheidet sich für Substanz statt Oberfläche.
Das ist die Botschaft dieser Folge: Nicht jeder Trend ist klug. Nicht jede Bequemlichkeit ist sicher. Und manchmal ist das Beste, das man tun kann, Freunde anzurufen und gemeinsam ein Buch zu lesen.
Hören Sie die ganze Diskussion auf:
🎵 Spotify | 🎧 Apple Podcasts
📧 Newsletter abonnieren | 🌐 tee-off.live
